Großer Falkenstein – Vom Wirtschaftswald zum wilden Wald
Genusswanderung am Bankerlsteig
Der Große Falkenstein (1.315 m) liegt im Herzen des Nationalparks Bayerischer Wald – eines der bedeutendsten Wildnisgebiete Mitteleuropas. Doch bis ins 20. Jahrhundert war diese Region vor allem eines: intensiv genutzter Wirtschaftswald. Ab etwa 1850 wurden Bäume im großen Stil geschlagen, Fichten gepflanzt, Bäche begradigt und Klausen zur Holztrift gebaut.
Besonders im 19. und frühen 20. Jahrhundert stand der Wald unter dem Diktat der Holzertragslehre – mit dem Ziel, möglichst viel Holz in kurzer Zeit zu gewinnen. Die Folge: Die naturnahen Mischwälder verschwanden, ursprüngliche Baumarten wie die Tanne wurden zurückgedrängt, und auch die letzten urwaldähnlichen Flächen fielen großflächigem Kahlschlag zum Opfer.
Mit der Gründung des Nationalparks 1970 und seiner Erweiterung 1997 wurde diese Entwicklung gestoppt. Rund um den Falkenstein kam die Holznutzung schrittweise zum Erliegen – seit 2020 ist das Gebiet vollständig der Natur überlassen. Seither heißt es: „Natur Natur sein lassen.“ Borkenkäfer, Windwurf und Verjüngung – was einst als „Schaden“ galt, ist heute Teil eines neuen, wilden Kreislaufs.
Besonders eindrucksvoll sind heute die Urwaldreste am Bergfuß: die Mittelsteighütte, ein 38 Hektar großer, unberührter Waldteil, oder der Hans-Watzlik-Hain mit seinen jahrhundertealten Baumriesen. Diese Flächen bieten wertvollen Lebensraum für seltene Arten und zeigen, wie sich Wald ganz ohne menschliche Eingriffe entwickelt.
Der Große Falkenstein steht wie kaum ein anderer Ort für den Wandel vom Nutzwald zum Naturwald. Hier darf der Wald wieder Wald sein – lebendig, wild und voller Zukunft.
Tipp für Genießer:
Entdecken Sie den Rundweg auch kulinarisch – mit einer Wein- und Bierwanderung entlang des Bankerlsteigs. An mehreren Stationen laden Bänke mit einmaligem Ausblick und erfrischenden Getränken zum Verweilen ein – liebevoll ausgewählt vom Bankerlsteig-Team.